fooddiez Atlas unbekannter Gerichte

Herkunft

Gerichte aus Äthiopien

Äthiopische Küche wird gemeinsam gegessen: Injera mit Doro Wat, der würzige Hühnereintopf, landet auf einem großen Fladenbrot statt auf Tellern. Wir erklären Aussprache und Bezugsquellen für DE, AT und CH.

Gegessen wird traditionell ohne Besteck: Injera dient gleichzeitig als Teller und Löffel, kleine Fladenstücke werden abgerissen und zum Auftunken der Saucen benutzt. Die äthiopische Kaffeezeremonie, bei der grüne Bohnen vor den Augen der Gäste geröstet werden, gilt zudem als eine der Ursprungsformen der Kaffeekultur weltweit.

Injera wird traditionell aus Teff-Mehl hergestellt, einem glutenfreien Getreide, das ursprünglich aus dem äthiopischen Hochland stammt und dort seit Jahrtausenden angebaut wird. Der Teig fermentiert vor dem Backen mehrere Tage, wodurch das fertige Fladenbrot seinen charakteristischen leicht säuerlichen Geschmack erhält, der stark an Sauerteig erinnert. Berbere, eine komplexe Gewürzmischung aus unter anderem Chili, Knoblauch, Ingwer und verschiedenen Kräutern, bildet die geschmackliche Grundlage vieler Eintöpfe, sogenannter Wat, und variiert je nach Familie und Region in Schärfe und Zusammensetzung teils erheblich. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche schreibt zahlreiche Fastentage vor, an denen weder Fleisch noch Milchprodukte gegessen werden dürfen, ein wichtiger Grund, warum sich in der äthiopischen Küche eine besonders große Auswahl an rein pflanzlichen Gerichten entwickelt hat, oft unter dem Namen Yetsom Beyaynetu als gemischte Auswahlplatte serviert. Beim gemeinsamen Essen gilt außerdem die Geste Gursha als Zeichen von Respekt und Zuneigung: Dabei wird einer anderen Person am Tisch, oft einem Gast oder Älteren, ein zusammengerolltes Stück Injera mit Füllung direkt in den Mund gegeben. Äthiopien, insbesondere die Region Kaffa, gilt vielen Überlieferungen zufolge als Ursprungsort des Kaffees überhaupt, auch wenn sich die genauen historischen Anfänge des Kaffeekonsums nicht mehr lückenlos rekonstruieren lassen. Je nach Volksgruppe und Region unterscheiden sich sowohl die Dicke des Injera als auch die Schärfe der Wat-Eintöpfe teils deutlich, sodass die äthiopische Küche insgesamt deutlich vielfältiger ist, als es die im Ausland bekannten Standardgerichte vermuten lassen.

Äthiopien

Nachgefragt

Häufige Fragen zu Äthiopien

Fragen, die zur Küche dieser Region am häufigsten gestellt werden — mit kurzen, konkreten Antworten.

Ist Injera glutenfrei?

Ja, klassisches Injera wird aus Teff-Mehl hergestellt, einem glutenfreien Getreide aus dem äthiopischen Hochland. In manchen Ländern, teils auch in Äthiopien selbst, wird Teff aus Kostengründen jedoch mit Weizen- oder anderem Mehl gestreckt, weshalb es sich bei Unverträglichkeit lohnt, gezielt nach reinem Teff-Injera zu fragen.

Warum schmeckt Injera so säuerlich?

Der Teig aus Teff-Mehl und Wasser fermentiert vor dem Backen mehrere Tage, ähnlich wie bei Sauerteigbrot. Diese Fermentation sorgt für den typischen leicht säuerlichen Geschmack und die charakteristische, leicht schwammige Textur, die Injera erst zum idealen Werkzeug macht, um Saucen aufzutunken.

Was bedeutet die Geste, jemandem Essen in den Mund zu geben?

Diese Geste heißt Gursha und gilt in der äthiopischen Esskultur als Ausdruck von Respekt, Zuneigung oder Gastfreundschaft. Dabei rollt eine Person ein Stück Injera mit Füllung zusammen und führt es direkt zum Mund einer anderen Person am Tisch, meist eines geehrten Gastes oder eines älteren Familienmitglieds.

Warum gibt es in der äthiopischen Küche so viele rein pflanzliche Gerichte?

Die äthiopisch-orthodoxe Kirche schreibt ihren Mitgliedern zahlreiche Fastentage vor, an denen kein Fleisch und keine Milchprodukte erlaubt sind. Über Jahrhunderte hat sich dadurch eine große Bandbreite schmackhafter, rein pflanzlicher Linsen-, Bohnen- und Gemüsegerichte entwickelt, die auch außerhalb der Fastenzeit gegessen werden.

Wo bekomme ich Teff-Mehl und Berbere-Gewürz in Deutschland?

Beides ist inzwischen in gut sortierten Bioläden, afrikanischen Lebensmittelgeschäften oder online erhältlich. Bei Berbere lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste, da fertige Mischungen stark in Schärfe und Zusammensetzung variieren, wer es milder mag, sollte eine Sorte mit geringerem Chilianteil wählen.