Kolumbien
Sobrebarriga en Salsa Criolla
[ so · bre · ba · rri · ga ]
Ein billiges, bindegewebsreiches Stück Rind wird zweieinhalb Stunden sanft gesiedet, bis die Gabel ohne Widerstand hineingeht, und dann in einer kolumbianischen Salsa criolla fertig geschmort: eingekochte Tomate, viel Frühlingszwiebel, Knoblauch, Kumin. Dazu Reis, kleine gelbe Kartoffeln und Ají.
Steckbrief
- Herkunft
- Kolumbien · Bogotá und das Hochland
- Exotik
- Nie gehört
- Aufwand
- 225 Min · mittel
- Ergibt
- 4 Portionen
- Wo kaufen
- Rinderdünnung oder Bauchlappen beim Metzger, in einem Stück — Papa criolla und Ají im Latino-Laden, oft tiefgefroren.
- Nährwerte
- ≈ 800 kcal · 63 g Eiweiß · 53 g Fett · 14 g Kohlenhydrate — pro Portion, geschätzt aus der Zutatenliste, nicht laboranalysiert.
Zubereitung
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Das Fleisch zuputzen: die dicke, silbrige Sehnenhaut abziehen oder flach wegschneiden, die dünne Fettschicht darüber aber dranlassen. Die Sehnenhaut wird auch nach drei Stunden nicht weich und zieht sich zusammen, das Fett dagegen schmilzt und hält das Stück saftig.
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Das Fleisch in einen Topf legen und mit kaltem Wasser knapp bedecken. Zwiebel, Frühlingszwiebelgrün, Lorbeer, Korianderstiele und Salz zugeben, aufkochen und den grauen Schaum abschöpfen.
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Hitze zurücknehmen, bis die Oberfläche nur noch leise zittert, und zugedeckt etwa 3 Stunden sieden. Bei sprudelndem Kochen zieht sich das Muskeleiweiß zusammen und presst den Saft heraus — das Fleisch wird dann faserig-trocken, obwohl es weich ist. Fertig ist es, wenn eine Gabel ohne jeden Widerstand hineingeht; das ist der einzige verlässliche Test, denn je nach Stück schwankt die Zeit erheblich.
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Das Fleisch aus der Brühe heben und zugedeckt warm stellen. Die Brühe durch ein Sieb gießen und 250 ml abmessen; der Rest ist eine gute Suppengrundlage und wird in kolumbianischen Küchen nicht weggeschüttet.
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Für die Salsa criolla das Öl in einer weiten Pfanne erhitzen und Zwiebel und Frühlingszwiebel bei mittlerer Hitze 10 Minuten weich schmoren, ohne dass sie Farbe nehmen. Diese Basis heißt in Kolumbien Hogao und ist die Grundlage der halben Landesküche.
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Knoblauch zugeben und 1 Minute mitbraten, dann Kumin und Achiote für 30 Sekunden — nicht länger, geröstete Gewürze werden schnell bitter. Das Achiote ist für die Farbe da, nicht für den Geschmack.
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Die Tomaten einrühren und offen 12 bis 15 Minuten einkochen, bis die Sauce sichtbar dick geworden ist und kein Wasser mehr am Pfannenrand steht. Vorher schmeckt sie nach rohen Tomaten, und dieser Geschmack verschwindet später nicht mehr.
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Die abgemessene Brühe angießen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und 5 Minuten köcheln lassen. Die Sauce soll dick genug sein, um am Löffel zu bleiben.
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Das Fleisch in die Sauce legen, mit einem Löffel großzügig überziehen, zudecken und 20 bis 25 Minuten bei kleiner Hitze ziehen lassen. Erst hier nimmt es die Sauce an.
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Die Papa criolla und, wenn sie dazukommt, die Yuca für die letzten 10 Minuten mit in die Sauce legen — nicht in einen separaten Topf. Sie zerfallen dort teilweise, und ihre Stärke bindet die Sauce; genau darauf ist das Gericht gebaut. Kartoffeln daneben zu kochen und erst auf dem Teller dazuzulegen ist der übliche Fehler.
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Kurz vor dem Servieren den gehackten Koriander unterrühren. Das Fleisch quer zur Faser in fingerdicke Scheiben schneiden oder am Tisch mit zwei Gabeln auseinanderziehen — quer zur Faser ist Pflicht, längs geschnitten bleibt es strähnig im Mund.
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Mit weißem Reis, Papa criolla oder kleinen Drillingen und viel Sauce anrichten. Der Ají kommt in eine Schale daneben und wird am Tisch dazugegeben.
Hintergrund
Ein Stück, das nur über Zeit funktioniert
Sobrebarriga heißt wörtlich „über dem Bauch“ und bezeichnet keinen Zuschnitt, sondern eine Lage: die flächige Muskelplatte, die unter der Haut über dem Rippenkorb liegt, durchzogen von Bindegewebe und von einer festen Sehnenhaut überzogen. Es ist dasselbe Stück, das in Argentinien Matambre und in Chile Malaya heißt — und es ist ausdrücklich nicht das Flank Steak, das tiefer und innen liegt, und auch nicht Brustkern. Genau deshalb ist es in DACH schwer zu bekommen: Bei uns wandert dieser Muskel meist in die Wurst. Kurz gebraten ist dieses Fleisch zäh; erst nach etwa drei Stunden im leise siedenden Wasser hat sich das Kollagen in Gelatine verwandelt und das Stück wird so weich, dass man es mit der Gabel teilen kann. Deshalb sind hier auch zwei Garvorgänge nötig und nicht einer: zuerst das Weichsieden im Wasser, dann das Schmoren in der Sauce. In einem einzigen Topf würde die Tomate über Stunden bitter einkochen.
Salsa criolla heißt in Kolumbien etwas anderes
Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen, denn derselbe Name steht in Südamerika für drei nicht verwandte Dinge. In Peru ist Salsa criolla ein roher Salat aus hauchdünnen Zwiebeln, Limette und Ají, der als frischer Kontrapunkt obenauf kommt. In Argentinien ist es eine rohe, grob geschnittene Gemüsesauce zum Grillfleisch. In Kolumbien dagegen ist sie gekocht: eine eingekochte Basis aus Tomate, viel Cebolla larga — der langen grünen Zwiebel, für die hier Frühlingszwiebel einsteht — Knoblauch und Kumin. Sie ist im Grunde ein Hogao, der kolumbianischen Allzweck-Grundlage, mit mehr Flüssigkeit. Wer die peruanische Version über dieses Gericht gibt, hat einen rohen Zwiebelsalat auf einem Schmorbraten.
Was dazugehört, und die anderen Varianten
Auf dem Teller stehen weißer Reis und Papa criolla, die kleine, tiefgelbe kolumbianische Kartoffel, die beim Kochen mehlig aufgeht; in DACH findet man sie tiefgefroren im Latino-Laden, sonst kommen kleine festkochende Drillinge oder Yuca an ihre Stelle. Ají, die scharfe Tischsauce aus Ají-Schoten, Frühlingszwiebel, Koriander und Limette, gehört daneben und nicht in den Topf. Dasselbe Fleischstück kennt Kolumbien noch in mehreren Zubereitungen, und sie unterscheiden sich gerade darin, ob überhaupt vorgekocht wird. Sobrebarriga sudada ist die Gegenprobe zu diesem Rezept: ein einziger Topf, das Fleisch kommt roh in den Guiso und dünstet dort im eigenen Saft, ohne getrennten Brühgang. Sobrebarriga al horno wird gekocht oder im Schnellkochtopf gegart, häufig noch 15 Minuten in dunklem Bier gezogen und dann mit Semmelbröseln bei etwa 175 °C im Ofen überbacken; bei der Variante a la cerveza übernimmt das Bier gleich einen Teil der Kochflüssigkeit. Bier ist also durchaus traditionell — nur eben für diese Versionen und nicht für die Salsa criolla. Sobrebarriga asada oder a la brasa wiederum wird mariniert und direkt gegrillt, ganz ohne langes Vorgaren, und nimmt dafür das dickere Stück, die Sobrebarriga gruesa.
Nachgefragt
Häufige Fragen zu Sobrebarriga en Salsa Criolla
Die Fragen, die zu diesem Gericht am häufigsten gestellt werden — mit kurzen, konkreten Antworten.
Was genau ist Sobrebarriga, und was verlangt man beim deutschen Metzger?
Sobrebarriga heißt „über dem Bauch“ und bezeichnet die flächige Muskelplatte, die unter der Haut über dem Rippenkorb liegt: mager, von Bindegewebe durchzogen, mit einer festen Sehnenhaut und einer dünnen Fettschicht darüber. In Argentinien heißt dasselbe Stück Matambre, in Chile Malaya. In Deutschland fragt man nach „Fleischdünnung vom Rind“ oder nach Bauchlappen beziehungsweise Dünnung, ohne Knochen, mit Fettdeckel und ungetrimmt; in Österreich nach Dünnung oder Bauchfleisch, regional Platte; in der Schweiz nach Lempen. Vorbestellen lohnt sich, denn dieser Muskel wandert bei uns meist in die Wurst und liegt selten in der Theke. Wichtig: nicht das Flank Steak oder Bavette aus dem Supermarkt kaufen — das sind andere, magere Kurzbratstücke, die über drei Stunden Schmorzeit nur trocken werden. Wer nichts Passendes bekommt, nimmt Rinderbrust oder Querrippe; die werden ähnlich zart, sind nur fetter.
Warum wird das Fleisch erst gekocht und dann noch geschmort?
Weil zwei verschiedene Dinge passieren müssen. Im leise siedenden Wasser wandelt sich über etwa 3 Stunden das Kollagen in Gelatine um, und erst dann lässt sich das Stück mit der Gabel teilen. Das Ziehen in der Sauce danach dauert nur 20 bis 25 Minuten und dient dem Geschmack. Beides in einem Topf zu machen geht schief: Die Tomate würde über Stunden einkochen und bitter werden. Und die Brühe aus dem ersten Gang ist es, mit der die Sauce später auf die richtige Konsistenz gebracht wird — das ist der eigentliche Grund für die Zweiteilung. Wichtig ist außerdem, dass das Wasser nur zittert; sprudelndes Kochen presst den Saft aus dem Fleisch, und es wird trocken, obwohl es weich ist. In kolumbianischen Küchen läuft der erste Schritt meist im Schnellkochtopf, dann sind es 45 bis 60 Minuten statt drei Stunden.
Salsa criolla — ist das nicht der rohe Zwiebelsalat?
Der Name steht in Südamerika für drei nicht verwandte Dinge. In Peru ist Salsa criolla ein roher Salat aus hauchdünnen Zwiebeln, Limette und Ají, der als frischer Kontrapunkt obenauf kommt; in Argentinien eine rohe, grob geschnittene Gemüsesauce zum Grillfleisch. In Kolumbien dagegen ist sie gekocht: eine eingekochte Basis aus Tomate, viel Cebolla larga, Knoblauch und Kumin — im Grunde ein Hogao mit mehr Flüssigkeit. Für dieses Gericht ist die kolumbianische Bedeutung gemeint.
Was ist Hogao, und was ist Cebolla larga?
Hogao ist die Grundlage der halben kolumbianischen Küche: Tomate, Cebolla larga, Zwiebel und Knoblauch werden 10 bis 20 Minuten in Öl weich geschmort, bis nichts mehr wässrig ist. Die Begriffe Hogao und Salsa criolla werden in Kolumbien weitgehend synonym gebraucht, daneben auch Hogo, Ahogao, Guiso und Sofrito. Wenn man einen Unterschied ziehen will, dann diesen: Hogao im engeren, antioqueñischen Sinn ist eine dicke, ölreiche Paste für Arepas und Patacones, während die Salsa criolla hier dieselbe Basis ist, nur mit der Kochbrühe zu einer gießfähigen Sauce verlängert. Cebolla larga ist Allium fistulosum, die Winterzwiebel — und praktischerweise ist genau das auch die Art, die bei uns meist als Frühlingszwiebel verkauft wird, es ist also oft dieselbe Pflanze. Verwendet werden die weißen und hellgrünen Teile, reichlich: drei bis vier Stangen je Kilo Fleisch, also etwa ein Bund. Lauch ist eine andere Art; in den Kocharomaten der Brühe geht er durch, als Zwiebel der Sauce nicht.
Was ist Papa criolla, und womit ersetzt man sie?
Papa criolla ist eine kleine, tiefgelbe kolumbianische Kartoffel mit dünner Schale, die beim Kochen mehlig aufgeht. Entscheidend ist, dass sie direkt in der Sauce gart und nicht daneben: Sie zerfällt dabei teilweise, und ihre Stärke bindet die Sauce — sie separat zu kochen und erst auf dem Teller dazuzulegen ist der klassische Fehler. Tiefgefroren ist sie in DACH im Latino-Laden gut zu bekommen, frisch praktisch nicht. Als Ersatz gehen kleine festkochende Drillinge, die allerdings nichts binden; wer den Effekt haben will, zerdrückt zwei oder drei davon in der Sauce. Alternativ oder zusätzlich kommt Yuca dazu, und weißer Reis in jedem Fall — der bleibt separat.
Welche anderen Zubereitungen gibt es von diesem Stück?
Sie unterscheiden sich vor allem darin, ob getrennt vorgekocht wird. Sobrebarriga sudada ist der Gegenentwurf zu diesem Rezept: ein einziger Topf, das Fleisch kommt roh in den Guiso und dünstet dort im eigenen Saft, ohne separaten Brühgang. Sobrebarriga al horno wird gekocht oder im Schnellkochtopf gegart, oft noch 15 Minuten in dunklem Bier gezogen und dann mit Semmelbröseln bei etwa 175 °C überbacken; bei der Variante a la cerveza ist das Bier von Anfang an Teil der Kochflüssigkeit. Bier ist in diesen Versionen also traditionell — in der Salsa criolla hat es nichts zu suchen. Sobrebarriga asada oder a la brasa wird dagegen mariniert und direkt gegrillt, ohne langes Vorgaren, und nimmt dafür das dickere Stück, die Sobrebarriga gruesa. Für die tägliche Schmorküche wird die dünnere delgada verwendet.