Spanien
Sangria im Barcelona-Stil
Ein junger, fruchtiger Rotwein wird mit Zucker, Orange, Zitrone, Pfirsich, Apfel, einer Zimtstange und nach Belieben einem Schuss Brandy angesetzt und zieht ein paar Stunden kalt durch. Sprudelwasser und Eis kommen erst beim Servieren dazu. Kein Barriquewein, keine gemahlene Zimtsorte, keine Limonade als Basis.
Steckbrief
- Herkunft
- Spanien · Barcelona
- Exotik
- Kennt man
- Aufwand
- 140 Min · einfach
- Ergibt
- 6 Gläser (ca. 1,4 l)
- Wo kaufen
- Unbehandelte Orangen und Zitronen, die Schale kommt mit in den Krug — dazu ein junger, fruchtiger Rotwein aus dem mittleren Regal und eine Zimtstange, kein Pulver.
- Nährwerte
- ≈ 220 kcal · 1 g Eiweiß · 0 g Fett · 23 g Kohlenhydrate — pro Portion, geschätzt aus der Zutatenliste, nicht laboranalysiert.
Zubereitung
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Den Zucker zuerst in 75 ml heißem Wasser auflösen und rühren, bis nichts mehr knirscht, dann abkühlen lassen. In kaltem Wein löst sich Kristallzucker praktisch nicht und sammelt sich am Krugboden — wer Zuckersirup nimmt, überspringt diesen Schritt.
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Orange und Zitrone heiß abwaschen und trocken reiben. Je eine Hälfte in dünne Scheiben schneiden, die andere Hälfte auspressen. Die Schale kommt mit in den Krug, deshalb müssen die Früchte unbehandelt sein.
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Pfirsich und Apfel entkernen und in Spalten oder mundgerechte Stücke schneiden — nicht zu klein, sonst zerfallen sie über Nacht zu Mus.
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Früchte, Saft, Zimtstange, Zuckerwasser und — wenn er verwendet wird — den Brandy in einen großen Krug geben. Den Wein darübergießen und einmal umrühren.
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Abgedeckt in den Kühlschrank, mindestens 2 Stunden; 2 bis 3 Stunden sind die Zeit, die spanische Rezepte am häufigsten nennen. In dieser Zeit gibt die Frucht ihr Aroma an den Wein ab und nimmt umgekehrt Alkohol auf.
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Länger geht ohne weiteres — eine katalanische Anleitung lässt die Sangria drei bis vier Tage ziehen und rührt dabei regelmäßig um. Wichtig ist dann vor allem, den Krug wirklich abzudecken und möglichst wenig Luft an den Wein zu lassen, damit er nicht oxidiert.
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Vor dem Servieren probieren und nachjustieren — noch etwas Sirup, wenn der Wein sauer wirkt, ein Spritzer Zitrone, wenn sie zu süß geworden ist.
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Das Sprudelwasser erst im Moment des Servierens angießen und nur einmal vorsichtig umrühren, damit die Kohlensäure bleibt.
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Das Eis kommt in die Gläser, nicht in den Krug. Eis im Krug schmilzt, während die Sangria auf dem Tisch steht, und verwässert alles vor dem Ausschenken; gekühlt wird ohnehin vorher im Kühlschrank und nicht durch das Eis. Eine katalanische Anleitung ist an dieser Stelle streng und verlangt genau einen Würfel aus gutem Wasser pro Glas. In die Gläser wird jeweils etwas eingelegte Frucht mit hineingegeben.
Hintergrund
Was am „Barcelona-Stil“ dran ist
Ehrlicherweise: kein geschützter Standard und keine überlieferte katalanische Rezeptur. Sucht man auf Spanisch oder Katalanisch nach „sangría estilo Barcelona“, findet man nichts — den Begriff verwenden ausschließlich englischsprachige Tourismusanbieter. „Barcelona-Stil“ beschreibt also, wie man sie an den Tischen der Stadt vorgesetzt bekommt: reichlich Zitrusfrucht, ein Schuss Sprudel, sehr kalt. Sangría selbst ist gesamtspanisch. Was Katalonien wirklich an eigenen Festgetränken hat, ist etwas anderes und durchweg spirituosenbasiert — Barreja, Masclet, Burret, Mamadeta, dazu Ratafia und Rom cremat. Die Sangría de cava mit Schaumwein statt Rotwein gibt es und sie ist in Katalonien verbreitet, aber auch die nüchternsten spanischen Quellen beschreiben sie als Mode der letzten Jahre und nicht als altes Erbe.
Interessanter als eine erfundene Herkunft ist, was rechtlich gilt. Die Verordnung (EU) Nr. 251/2014 erlaubt „Sangría“ als eigenständige Verkehrsbezeichnung nur für Ware aus Spanien und Portugal; wird sie anderswo hergestellt, muss „aromatisiertes weinhaltiges Getränk“ samt Herstellungsland auf dem Etikett stehen. Dazu eine Feinheit, die dieses Rezept selbst betrifft: Zugesetzter Alkohol ist in der rechtlichen Definition von Sangría nicht vorgesehen. Ein Weinpunsch mit Brandy fällt damit streng genommen unter Zurra, eine eigene Kategorie derselben Verordnung mit 9 bis 14 Prozent. Am Küchentisch ändert das nichts, es erklärt aber, warum ein Teil der spanischen Rezepte auf Spirituosen ganz verzichtet.
Warum der Wein einfach sein soll
Der verbreitete Gedanke, mit besserem Wein werde die Sangria besser, führt in die falsche Richtung. Spanische Rezepte verlangen fast wortgleich einen „tinto joven afrutado“, einen jungen, fruchtigen Roten aus dem mittleren Preisbereich — und nennen dabei bemerkenswerterweise keine Rebsorte; die Sortenempfehlungen, die in deutschen und englischen Texten stehen, sind eine spätere Zutat. Zu vermeiden sind beide Extreme: Billigster Tankwein schmeckt durch, und ein Barriquewein verliert nicht nur die Nuancen, für die man bezahlt hat, sondern trifft mit seinen Gerbstoffen auf Zucker und Zitronensäure und wird dabei bitter und metallisch.
Beim Brandy sind die Quellen uneinig, und das ist erwähnenswert, weil er in deutschen Rezepten als selbstverständlich gilt. Die spanische Wikipedia gibt 18 cl auf 75 cl Wein an, andere nehmen Orangenlikör oder Cognac, manche verzichten ganz — und eine katalanische Anleitung verbietet Spirituosen ausdrücklich. Er ist also verbreitet, aber optional. Wer ihn nimmt, sollte wissen, dass er die Sangria deutlich stärker macht; wer ihn weglässt, bekommt ein leichteres Getränk, das näher an dem liegt, was in Spanien nachmittags im Krug steht.
Sangría, Tinto de verano und der Rest
In Spanien selbst bestellt man an einem heißen Nachmittag oft gar keine Sangría, sondern einen Tinto de verano: junger Rotwein und Gaseosa — eine schlichte gesüßte Sprudellimonade — oder Zitronenlimonade, etwa halb und halb, mit Eis und einer Zitronenscheibe. Keine eingelegte Frucht, keine Spirituose, kein Zucker, kein Ansetzen. Als Ursprung wird Córdoba in den Zwanzigerjahren genannt. Sangría ist dagegen die Krugversion für mehrere Leute und braucht Vorlauf.
Daneben lohnt es, die Verwandtschaft auseinanderzuhalten. Clarea ist im Grunde Sangría aus Weißwein und rechtlich allein Spanien vorbehalten. Zurra bedeutet zweierlei: rechtlich Sangría oder Clarea mit zugesetztem Brandy, in der Küchensprache dagegen die Zurra manchega aus Weißwein, Wasser, Zucker und Zitronenschale; als Heimat wird meist La Rioja genannt, verbreitet ist sie auch in Navarra und Aragón, dort rot oder als Clarete mit Pfirsich. Der andalusische Rebujito ist noch etwas anderes: trockener Manzanilla oder Fino im Verhältnis eins zu zwei mit Zitronenlimonade, frische Minze, sehr viel Eis — das Getränk der Feria de Abril und der Wallfahrt nach El Rocío. Und was schlechte Restaurant-Sangría schlecht macht, benennen spanische Quellen deutlich: schwacher Wein, der mit Spirituosen „korrigiert“ wird, industrielle Zitronenlimonade anstelle von Sprudelwasser und Zitronensaft, zu süß, zu alkoholisch — und Tinto de verano, der als „sangría casera“ zum doppelten Preis verkauft wird.
Nachgefragt
Häufige Fragen zu Sangria im Barcelona-Stil
Die Fragen, die zu diesem Gericht am häufigsten gestellt werden — mit kurzen, konkreten Antworten.
Gibt es überhaupt eine eigene Barcelona-Sangria?
Nicht als geschützte oder überlieferte Rezeptur — und das lässt sich sogar zeigen: Auf Spanisch oder Katalanisch existiert der Ausdruck „sangría estilo Barcelona“ praktisch nicht, er kommt ausschließlich in englischsprachigen Tourismusangeboten vor. „Barcelona-Stil“ beschreibt also die Machart, wie sie an den Tischen der Stadt ausgeschenkt wird: viel Zitrusfrucht, ein Schuss Sprudel, sehr kalt. Sangría selbst ist gesamtspanisch. Katalonien hat durchaus die Sangría de cava mit Schaumwein statt Rotwein, aber auch zurückhaltende spanische Quellen nennen sie eine Mode der letzten Jahre. Die echten katalanischen Festgetränke sind spirituosenbasiert: Barreja, Masclet, Burret, Mamadeta, dazu Ratafia und Rom cremat.
Welcher Wein, und lohnt sich ein teurer?
Ein junger, fruchtiger Roter ohne Holzausbau aus dem mittleren Preisbereich. Spanische Rezepte formulieren das fast wortgleich als „tinto joven afrutado“ und nennen dabei auffällig keine Rebsorte — die Empfehlungen für Tempranillo, Garnacha oder einen Rioja joven, die man in deutschen und englischen Texten findet, sind eine spätere Zutat und keine spanische Vorgabe. Ein teurer Barriquewein macht die Sangria nicht besser, sondern schlechter: Seine Gerbstoffe treffen im Krug auf Zucker und Zitronensäure und werden dabei bitter und metallisch, und die Nuancen, für die man bezahlt hat, gehen unter Orange und Zimt ohnehin verloren. Ganz billiger Tankwein ist aber auch keine Lösung, den schmeckt man durch.
Wie lange muss Sangria ziehen?
Spanische Quellen nennen überwiegend zwei Stunden im Kühlschrank, manche zwei bis drei, eine sogar nur eine Stunde als Minimum. Zwei Stunden sind also der belegte Richtwert, und länger schadet nicht: Eine katalanische Anleitung lässt die Sangria drei bis vier Tage ziehen und rührt regelmäßig um. Die verbreitete Warnung, nach einem Tag würden die Zitrusfrüchte bitter, findet sich in spanischen Rezepten übrigens nicht — worauf sie tatsächlich hinweisen, ist, den Krug gut abzudecken und wenig Luft an den Wein zu lassen, damit er nicht oxidiert.
Warum kommt das Eis nicht in den Krug?
Weil es dort schmilzt, während die Sangria auf dem Tisch steht, und alles verwässert, bevor das letzte Glas ausgeschenkt ist. Genau so steht es in spanischen wie in katalanischen Anleitungen, mit derselben Begründung; eine davon verlangt sogar genau einen Würfel aus gutem Wasser pro Glas. Eis gehört also in die Gläser, dann kühlt es nur so lange, wie ein Glas braucht, und die Kühlung selbst passiert vorher im Kühlschrank. Aus dem gleichen Grund kommt auch das Sprudelwasser erst im Moment des Servierens dazu und wird nur einmal vorsichtig untergerührt — mit jedem weiteren Rühren geht Kohlensäure verloren.
Was ist der Unterschied zu Tinto de verano?
Tinto de verano ist junger Rotwein mit Gaseosa — einer schlichten gesüßten Sprudellimonade — oder mit Zitronenlimonade, etwa halb und halb, mit Eis und einer Zitronenscheibe. Keine eingelegte Frucht, keine Spirituose, kein Zucker, kein Ansetzen; als Ursprung wird Córdoba in den Zwanzigerjahren genannt. In Spanien wird an einem heißen Nachmittag deutlich häufiger der bestellt als Sangría, die ja die Krugversion für mehrere Leute ist und Stunden Vorlauf braucht. Daneben gibt es Clarea, im Grunde Sangría aus Weißwein; die Zurra, die rechtlich Sangría mit zugesetztem Brandy meint, in der Küchensprache aber die Zurra manchega aus Weißwein, Wasser, Zucker und Zitronenschale, meist La Rioja zugeschrieben; und den andalusischen Rebujito aus trockenem Manzanilla oder Fino mit Zitronenlimonade im Verhältnis eins zu zwei, Minze und sehr viel Eis.
Darf man ein Getränk außerhalb Spaniens „Sangría“ nennen?
Als eigenständige Verkehrsbezeichnung nur in Spanien und Portugal. Die Verordnung (EU) Nr. 251/2014 über aromatisierte Weinerzeugnisse behält den Namen diesen beiden Ländern vor; wird das Getränk anderswo hergestellt, muss auf dem Etikett „aromatisiertes weinhaltiges Getränk“ zusammen mit dem Herstellungsland stehen, und „Sangría“ darf diese Angabe nur ergänzen. Ausweichformeln wie „Sangria-Art“ oder „Sangria-Style“ sind ebenfalls ausgeschlossen, und der Name darf nicht übersetzt werden. Die Verordnung legt außerdem fest, was drin sein darf: 4,5 bis 12 Prozent Alkohol, keine Farbstoffe, Kohlensäure erlaubt — und kein zugesetzter Alkohol. Ein Weinpunsch mit Brandy wie dieser hier ist deshalb rechtlich gesehen eine Zurra, die dieselbe Verordnung mit 9 bis 14 Prozent als eigene Kategorie führt. Clarea, die Weißweinvariante, ist übrigens allein Spanien vorbehalten und nicht auch Portugal. Für den eigenen Krug am Küchentisch ist das alles ohne Belang, es erklärt aber die etwas umständlichen Bezeichnungen auf manchen Flaschen im Supermarkt.