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Italien

Cùscusu alla trapanese

[ kuss · ku · su ]

Der Couscous des Westzipfels von Sizilien: fein gedämpfter Hartweizengrieß, der eine dunkle, tomatige Fischbrühe aufsaugt, dazu weißes Fischfleisch und Garnelen. Kein Gemüse obenauf, keine Harissa, keine Lammbrühe — und eine Prise Zimt, die man nicht sofort erkennt.

Steckbrief

Herkunft
Italien · Trapani, Sizilien
Exotik
Nie gehört
Aufwand
120 Min · mittel
Ergibt
4 Portionen
Wo kaufen
Suppenfisch, Gräten und Köpfe an der Fischtheke — danach fragen, sie kosten fast nichts.
Nährwerte
≈ 730 kcal · 34 g Eiweiß · 35 g Fett · 69 g Kohlenhydrate — pro Portion, geschätzt aus der Zutatenliste, nicht laboranalysiert.
Cùscusu alla trapanese, sizilianischer Couscous mit Fisch und Fischbrühe in einer Tonschale
Italien · Trapani, Sizilien

Zubereitung

  1. Die Karkassen kalt abspülen und die Kiemen mit der Schere herausschneiden — sie machen jede Fischbrühe bitter. Blut und dunkle Reste abwaschen.

  2. 4 EL Olivenöl in einem großen Topf erhitzen. Zwiebel, Sellerie, Karotte und 4 zerdrückte Knoblauchzehen darin ohne Farbe anschwitzen. Die Garnelenschalen und -köpfe dazugeben und braten, bis sie kräftig rot sind und deutlich duften. Das Tomatenmark 1 Minute mitrösten.

  3. Karkassen und Suppenfisch dazugeben, mit 2 l kaltem Wasser aufgießen, Tomaten, Lorbeerblatt, Zimt, Peperoncino und Petersilienstiele zufügen. Aufkochen, den grauen Schaum abschöpfen, dann 35 bis 40 Minuten bei kleinster Hitze ziehen lassen. Die Brühe darf nicht sprudeln und nicht länger ziehen — Fischgräten geben nach etwa einer Stunde Bitterkeit ab.

  4. Durch ein feines Sieb in einen zweiten Topf gießen. Die Feststoffe nur leicht andrücken, nicht durchpassieren und nicht pürieren, sonst wird die Brühe trüb und sandig. Es sollten etwa 1,4 l übrig sein. Kräftig salzen und pfeffern: der Couscous nimmt später sehr viel davon auf und verdünnt alles, was zu zart abgeschmeckt ist. Wer die Mandelvariante möchte, rührt jetzt die gemahlenen Mandeln ein.

  5. Den Couscous in eine große Schüssel geben, 3 EL Olivenöl und 1 TL Salz zufügen und die Körner mit den Handflächen minutenlang durchreiben, bis jedes Korn glänzt und nichts mehr klumpt. Die fein gehackte Zwiebel, 2 gehackte Knoblauchzehen, gehackte Petersilie und viel schwarzen Pfeffer untermischen — das ist der conzu, die Würze, die in den Grieß gehört und nicht in die Brühe.

  6. 250 ml der heißen Brühe über den Couscous löffeln, sofort durchmischen und 5 Minuten quellen lassen. Danach mit den Fingern auflockern, damit keine Klumpen bleiben.

  7. Die restliche Brühe zum leisen Sieden bringen. Ein Sieb oder einen Dampfeinsatz mit einem Küchentuch auslegen, den Couscous locker einfüllen, nicht andrücken, Deckel auflegen und 20 bis 25 Minuten über der Brühe dämpfen. Nach 10 Minuten einmal mit der Gabel durchheben. Gedämpft bleibt jedes Korn einzeln — wer nur kochendes Wasser aufgießt, bekommt eine weiche Masse.

  8. Den Couscous herausnehmen und warm stellen. Das Fischfilet in großen Stücken in die siedende Brühe geben und 4 bis 5 Minuten pochieren, die geschälten Garnelen nur 2 Minuten. Beides herausheben und zugedeckt beiseitestellen.

  9. Den Couscous in eine vorgewärmte Schüssel geben und kellenweise heiße Brühe untermischen, bis er feucht, aber nicht suppig ist — auf 300 g Couscous sind das etwa 500 bis 600 ml. Ein Tuch über die Schüssel legen, Deckel darauf und 20 Minuten stehen lassen. In dieser Ruhezeit passiert das Eigentliche: der Grieß zieht die Brühe vollständig ein und wird locker statt nass.

  10. Zum Anrichten den Couscous auflockern, Fisch und Garnelen darauflegen, mit Petersilie bestreuen. Die übrige Brühe kommt heiß in einem Krug auf den Tisch, jeder gießt nach eigenem Geschmack nach. Zitronenspalten dazu, kein Käse.

Hintergrund

Warum in Trapani Couscous auf dem Tisch steht

Couscous gilt als nordafrikanisch, und das ist er auch. Im Westen Siziliens ist er trotzdem heimisch: über Jahrhunderte Kontakt mit der gegenüberliegenden Küste und die arabische Periode der Insel haben ihn dort verankert, und zwar nur dort. Rund um Trapani, Marsala und San Vito Lo Capo ist Cùscusu ein Sonntagsgericht, im Osten Siziliens dagegen kaum bekannt.

Was ihn von der nordafrikanischen Verwandtschaft trennt, ist die Brühe. Kein Lamm, kein Kichererbsen-Gemüse-Turm, keine Harissa daneben: hier steht Fisch drin, Tomate, Knoblauch, Petersilie — und eine Messerspitze Zimt, die kaum jemand herausschmeckt und die alles zusammenhält. In manchen Trapaneser Familien kommen zusätzlich gemahlene Mandeln in die Brühe, was sie dunkler und sämiger macht. Beides gehört zu den Spuren, die die arabische Küche in der sizilianischen hinterlassen hat.

Die Brühe ist das Gericht

Der Grieß hat von sich aus keinen Geschmack, er ist ein Träger. Alles, was das Gericht ausmacht, entscheidet sich im Topf daneben, und dort vor allem an drei Stellen: die Kiemen müssen raus, die Brühe darf nie sprudeln, und sie darf nicht länger als etwa 40 Minuten ziehen. Fischgräten geben danach kein Aroma mehr ab, sondern Bitterkeit.

Deshalb wird die Brühe auch deutlich kräftiger abgeschmeckt, als man sie löffeln würde. Sie muss gegen 300 g Grieß anschmecken, der sie fast vollständig aufsaugt.

Was dieses Rezept vereinfacht

Traditionell wird der Grieß nicht gekauft, sondern von Hand gemacht: in einer flachen Tonschale, der mafaradda, wird Hartweizengrieß mit Wasser und Salz kreisend zu Körnern gerollt — incocciare heißt dieser Schritt. Danach dämpft er sehr lange in einem gelochten Tontopf über der Brühe. Das ist eine Fertigkeit und keine Zutat, und wer sie nicht hat, bekommt sie nicht in einem Nachmittag.

Deshalb steht hier gekaufter, vorgegarter Couscous — aber mit den beiden Schritten, die wirklich den Unterschied machen: dämpfen statt überbrühen, und danach zugedeckt in der Brühe ruhen lassen. Diese Ruhezeit heißt in Trapani abbuffatura, und sie ist der Grund, warum der Couscous dort locker und trotzdem durchgezogen auf dem Teller liegt.

Nachgefragt

Häufige Fragen zu Cùscusu alla trapanese

Die Fragen, die zu diesem Gericht am häufigsten gestellt werden — mit kurzen, konkreten Antworten.

Ist das dasselbe wie nordafrikanischer Couscous?

Das Korn ist dasselbe, alles darum herum nicht. Der Trapaneser Cùscusu wird mit einer Fischbrühe gegessen, in die Tomate, Knoblauch, Petersilie und eine Messerspitze Zimt gehen; obenauf liegen Fisch und Garnelen, kein Gemüseturm, und Harissa steht nicht auf dem Tisch. Die maghrebinischen Varianten arbeiten dagegen meist mit Lamm oder Huhn, Kichererbsen und geschmortem Gemüse und werden anders gewürzt. Gemeinsam ist beiden, dass der Grieß gedämpft wird und nicht in Wasser gekocht.

Welchen Fisch nehme ich in Deutschland für die Brühe?

Am besten mehrere Sorten Suppenfisch mit viel Knochen und wenig Fett: Rotbarbe, Knurrhahn und Drachenkopf sind die naheliegenden Entsprechungen zu den sizilianischen Felsfischen. Dazu Karkassen, also Gräten und Köpfe, nach denen man an der Fischtheke einfach fragt — sie kosten fast nichts und werden oft mitgegeben. Fette Fische wie Lachs, Makrele oder Hering sind ungeeignet, ihre Brühe wird streng und trüb. Die Garnelenschalen und -köpfe gehören mit in den Topf, sie tragen einen großen Teil des Aromas.

Kann ich fertigen Instant-Couscous nehmen?

Ja, dieses Rezept ist genau darauf gebaut. Traditionell wird der Grieß in Trapani von Hand in einer flachen Tonschale zu Körnern gerollt, aber das ist eine Fertigkeit für sich. Wichtig ist nur, den gekauften Couscous nicht einfach mit kochendem Wasser zu überschütten: erst mit Öl und Salz durchreiben, dann über der Brühe dämpfen und zuletzt zugedeckt in der Brühe ruhen lassen. Diese drei Schritte machen den Unterschied zwischen einzelnen Körnern und einem weichen Klumpen.

Warum wird meine Fischbrühe bitter oder trüb?

Dafür gibt es vier übliche Gründe. Die Kiemen wurden nicht entfernt — sie machen jede Fischbrühe bitter. Die Brühe hat gekocht statt geziehen, dann emulgiert Fett und Eiweiß und sie wird milchig-trüb. Sie ist zu lange gezogen: bei Fischgräten reichen 35 bis 40 Minuten, danach kommt Bitterkeit statt Aroma. Oder die Feststoffe wurden durchs Sieb gedrückt oder püriert, wodurch feine Knochenpartikel in die Brühe geraten.

Zimt in einem Fischgericht — ist das kein Fehler?

Nein, das gehört dazu, aber nur in der Menge einer Messerspitze auf zwei Liter. Man erkennt ihn nicht als Zimt, er rundet die Tomatensäure ab. Solche Gewürzgriffe sind typisch für die westsizilianische Küche und gelten als Spur des arabischen Einflusses; in manchen Trapaneser Familien kommen zusätzlich gemahlene Mandeln in die Brühe, die sie dunkler und sämiger machen. Wer mehr Zimt nimmt, landet dagegen schnell bei einem Dessertton, der nicht mehr zum Fisch passt.

Lässt sich das Gericht vorbereiten, und wie geht man mit Resten um?

Die Brühe kann komplett am Vortag entstehen, sie gewinnt dabei sogar. Fisch, Dämpfen und die Ruhezeit gehören an den Tag des Essens. Reste hält man abgedeckt zwei Tage im Kühlschrank und wärmt sie zugedeckt bei kleiner Hitze auf, wobei man eine Kelle Brühe zugibt, weil der Grieß über Nacht weiter Flüssigkeit zieht. Übrige Brühe lässt sich portionsweise einfrieren; der aufgequollene Couscous verträgt das Einfrieren schlecht und wird mehlig.

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