Nach dem ersten Artikel zu häufig falsch betonten Gerichtnamen gab es genug Nachfragen, um eine Fortsetzung zu rechtfertigen. Wieder gilt: Die „richtige“ Aussprache orientiert sich an der Herkunftssprache, nicht an der eingedeutschten Variante, die sich oft im Alltag eingeschliffen hat. Wie schon im ersten Teil geht es nicht darum, jemanden zu korrigieren, sondern darum zu verstehen, woher die üblichen Abweichungen eigentlich kommen.
Jiaozi und Bibimbap
Jiaozi, die chinesischen gefüllten Teigtaschen, werden im Deutschen oft mit Betonung auf der zweiten Silbe gesagt. Näher am Mandarin liegt eine gleichmäßigere Aussprache mit leichtem Ton-Akzent auf der ersten Silbe: [dschiau-dsi]. Wichtig dabei: Im Mandarin verändert der Tonverlauf, nicht nur die Betonung, die Bedeutung eines Wortes, was im Deutschen naturgemäß verloren geht. Bibimbap, der koreanische Reistopf, hat im Koreanischen keine so starke Wortbetonung wie im Deutschen üblich — als Faustregel hilft trotzdem eine leichte Betonung auf der letzten Silbe: [bi-bim-bap], statt der im Deutschen verbreiteten Betonung auf der ersten Silbe.
Döner Kebab
Ein Klassiker, den fast niemand korrekt betont: Im Türkischen liegt der Wortakzent bei den meisten Wörtern auf der letzten Silbe, auch bei „döner“ und „kebap“. Richtig wäre also eher [dö-ner ke-bap] statt der im Deutschen fast durchgängig verwendeten Betonung auf der ersten Silbe von „Döner“. Da der Begriff im Deutschen längst als eigenständiges Lehnwort etabliert ist, hat sich die eingedeutschte Betonung inzwischen so fest verankert, dass sie kaum noch als „falsch“ wahrgenommen wird.
Gnocchi, Pho und Ramen
Gnocchi wird im Deutschen häufig als „Nokki“ oder mit einem harten „G“ gesprochen. Im Italienischen steht „gn“ für einen palatalen Nasallaut wie im „nj“ von „Champignon“, die Aussprache liegt näher an [njok-ki]. Pho, die vietnamesische Suppe, wird im Deutschen oft wie „Foh“ mit langem O gesprochen, im Vietnamesischen ist der Vokal kürzer und liegt eher zwischen „ö“ und „u“: [fuh]. Bei Ramen wird im Deutschen wie im Englischen oft ein langes „e“ wie in „Ray“ verwendet — im Japanischen ist der erste Vokal kurz und offen wie in „Rand“: [ra-men], und auch das zweite „e“ bleibt kurz statt gedehnt.
Injera und Baklava
Injera, das äthiopische Fladenbrot, wird im Deutschen oft auf der ersten Silbe betont. Im Amharischen liegt der Ton eher auf der zweiten Silbe: [in-dsche-ra]. Baklava wird im Deutschen meist auf der ersten Silbe betont („BAK-la-va“), sowohl im Türkischen als auch im Griechischen liegt die Betonung dagegen auf der letzten Silbe: [bak-la-wa]. Gerade bei Baklava sorgt das oft für Verwunderung, weil die deutsche Betonung so selbstverständlich klingt, dass viele nie auf die Idee kommen, sie zu hinterfragen.
Muhammara und Ceviche
Muhammara, der levantinische Dip aus Walnüssen und Paprika, wird auf der zweiten Silbe betont: [mu-ham-mara], nicht gleichmäßig oder auf der ersten Silbe, wie es im Deutschen oft zu hören ist. Ceviche, das südamerikanische Gericht aus in Zitrusfrüchten gegartem rohem Fisch, wird im Spanischen mit einem „tsch“-Laut und Betonung auf der zweiten Silbe gesprochen: [se-wi-tsche], nicht mit stummem „ch“ wie in der oft anzutreffenden französisierten Aussprache „seh-wisch“, die sich im Deutschen über den Umweg des Englischen eingeschlichen hat.