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Peru

Cuy chactado

[ kui · tschak · ta · do ]

Eine peruanische Spezialität und in den Anden ein Festessen: das flach gedrückte Tier wird mit Knoblauch, Kreuzkümmel und Ají-Paste eingerieben, dünn in Maisgrieß gewälzt und unter einem Gewicht im heißen Fett gebraten, bis die Haut kracht. Dazu Kartoffeln, Mais und eine scharfe Ají-Sauce.

Steckbrief

Herkunft
Peru · Arequipa
Exotik
Nie gehört
Aufwand
175 Min · mittel
Ergibt
4 Portionen (2 Tiere, halbiert)
Wo kaufen
In DE/AT/CH praktisch nicht zu bekommen — Kaninchen vom Metzger ist der nächstliegende Ersatz.
Nährwerte
≈ 950 kcal · 64 g Eiweiß · 45 g Fett · 69 g Kohlenhydrate — pro Portion, geschätzt aus der Zutatenliste, nicht laboranalysiert.
Cuy chactado, goldbraun gebratenes Meerschweinchen mit Kartoffeln, Mais und Ají-Sauce
Peru · Arequipa

Zubereitung

  1. Die küchenfertigen Tiere längs halbieren und mit der Handfläche flach drücken. Traditionell bleibt das Tier ganz und wird nur aufgeklappt; halbiert liegt es in einer Haushaltspfanne deutlich besser. Rundherum gründlich trocken tupfen.

  2. Den Knoblauch mit dem Salz zu einer Paste zerdrücken und mit Kreuzkümmel, Pfeffer, Ají-panca-Paste und Essig verrühren. Die Hälften rundherum damit einreiben, auch unter den Vorderbeinen und in den Bauchraum. Zugedeckt mindestens 2 Stunden, besser über Nacht im Kühlschrank marinieren.

  3. Für das Gemüse das Öl in einem weiten Topf erhitzen, Zwiebel und Knoblauch anschwitzen, dann die Ají-amarillo-Paste und den Kreuzkümmel 1 Minute mitrösten. Die Paste muss im Fett aufgehen und die Farbe wechseln, sonst bleibt sie rohschmeckend.

  4. Kartoffeln, Karotten und Maisräder zugeben, mit der Brühe auffüllen, salzen und zugedeckt 30 bis 35 Minuten schmoren, bis die Kartoffeln weich sind und die Flüssigkeit auf etwa ein Drittel eingekocht ist. Zum Schluss den gehackten Koriander unterheben.

  5. Für die Ají-Sauce alle Zutaten glatt rühren und kalt stellen.

  6. Die marinierten Hälften trocken tupfen, die Gewürzpaste dabei aber dranlassen, und rundherum durch den Maisgrieß ziehen. Den Überschuss abklopfen — die Panade ist eine dünne Schicht, sie soll die Haut krachen lassen, nicht sie verstecken.

  7. Das Öl in einer schweren Pfanne etwa 1 cm hoch auf 170 bis 180 °C erhitzen. Die Hälften mit der Hautseite nach unten einlegen.

  8. Jetzt kommt der Schritt, der dem Gericht den Namen gibt: einen schweren, flachen Gegenstand auflegen, damit das Fleisch flach im Fett liegt — traditionell ein Stein, in der Küche ein zweiter schwerer Topf oder eine mit Wasser gefüllte Pfanne. Ohne Gewicht zieht sich das Fleisch beim Braten zusammen und nur die höchsten Stellen bräunen.

  9. 10 bis 12 Minuten braten, dann wenden, das Gewicht wieder auflegen und 8 bis 10 Minuten fertig braten. Die Haut soll dunkelgoldbraun und blasig sein und beim Anstoßen hörbar knacken.

  10. Kurz auf einem Gitter abtropfen lassen, nicht auf Küchenpapier — darauf weicht die Kruste von unten wieder auf.

  11. Mit dem geschmorten Gemüse, den Maisrädern und der Ají-Sauce servieren. Gegessen wird mit den Händen: das Tier hat viele kleine Knochen, und die knusprige Haut ist der Teil, um den es geht.

Hintergrund

Was Cuy ist

Cuy ist der andine Name für das Meerschweinchen, und in Peru, Ecuador, Bolivien und im Süden Kolumbiens ist es seit vorkolonialer Zeit ein Nutztier — gehalten wegen des Fleisches, nicht als Haustier. Gezüchtet werden dafür eigene, deutlich größere Fleischrassen, klassisch in kleinen Beständen direkt am Haus. Auf dem Land ist Cuy Sonntags- und Festessen; in Arequipa und Cusco steht es ganz normal auf Restaurantkarten.

Dass dasselbe Tier in Europa ein Kinderhaustier ist, macht das Gericht für deutsche Leser ungewohnt, aber es sind zwei getrennte Zusammenhänge: hier eine Zuchtlinie für Fleisch, dort eine für den Käfig im Kinderzimmer. Die Unterscheidung ist dieselbe wie bei Kaninchen oder Ente — beides steht in Deutschland auf Speisekarten und in Ställen, ohne dass das eine das andere erklären müsste.

Chactado heißt: unter Gewicht gebraten

Es gibt mehrere Zubereitungen, und sie unterscheiden sich stark. Cuy chactado ist die Version aus Arequipa: flach gedrückt, dünn paniert und in reichlich heißem Fett gebraten, wobei ein schwerer Stein oben aufliegt — daher der Name. Das Gewicht presst die Haut in den Kontakt mit dem Fett, sodass sie rundherum gleichmäßig knusprig wird, statt sich zusammenzuziehen.

Im Raum Cusco wird Cuy dagegen häufiger im Ofen gebraten, oft gefüllt, und in Ecuador über Kohlen am Spieß gegrillt und dabei immer wieder eingestrichen. Wer eines dieser Gerichte kennt, kennt die anderen zwei nicht.

Und wenn es kein Cuy gibt

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Meerschweinchenfleisch praktisch nicht zu bekommen — kein Metzger führt es, und es ist auch nichts, was man beim Züchter bestellen kann. Realistisch ist dieses Gericht etwas, das man in Peru oder Ecuador isst.

Wer die Technik trotzdem ausprobieren will, nimmt Kaninchen: ähnlich mager, ähnlich kleinknochig, und beim Metzger vor allem gegen die Feiertage gut zu bekommen. Marinade, Maisgrieß-Panade, Gewicht und Ají-Sauce funktionieren unverändert; man arbeitet mit einzelnen Teilen statt einem flach gedrückten Tier und braucht pro Stück etwas weniger Zeit. Was fehlt, ist das Verhältnis: Kaninchen hat mehr Fleisch und weniger Haut, und die krachende Haut ist bei Cuy die Hauptsache.

Nachgefragt

Häufige Fragen zu Cuy chactado

Die Fragen, die zu diesem Gericht am häufigsten gestellt werden — mit kurzen, konkreten Antworten.

Kann man Meerschweinchenfleisch in Deutschland überhaupt kaufen?

Praktisch nicht. Kein Metzger führt es, es ist kein Teil des normalen Fleischhandels in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, und ein Züchter von Haustieren ist keine Bezugsquelle. Vereinzelt tauchen in lateinamerikanischen Spezialitätengeschäften in Europa Tiefkühlware oder Konserven auf, verlässlich planen kann man damit nicht. Realistisch isst man dieses Gericht in Peru oder Ecuador — oder man kocht es hier mit Kaninchen. Einfacher ist der Rest der Einkaufsliste: Ají-panca- und Ají-amarillo-Pasten führen lateinamerikanische Läden und deren Onlineshops zuverlässig.

Isst man in Peru wirklich Meerschweinchen?

Ja, und zwar seit vorkolonialer Zeit. Cuy ist in den Anden ein Nutztier wie hier Kaninchen oder Huhn: gehalten wegen des Fleisches, in eigenen, deutlich größeren Fleischrassen gezüchtet, traditionell in kleinen Beständen direkt am Haus. Auf dem Land ist es Sonntags- und Festessen, in Arequipa und Cusco steht es normal auf Restaurantkarten. Dass dasselbe Tier in Europa ein Kinderhaustier ist, ist ein anderer Zusammenhang und keine Bewertung des einen oder anderen — es sind getrennte Zuchtlinien für getrennte Zwecke, genau wie bei Kaninchen.

Wie schmeckt Cuy?

Am häufigsten wird es zwischen Kaninchen und dunklem Geflügel eingeordnet: mager, kräftiger als Huhn, ohne ausgeprägten Wildgeschmack. Der Anteil an Haut ist im Verhältnis zum Fleisch hoch, und beim Chactado ist die knusprig gebratene Haut der Teil, um den es geht. Es hat viele kleine Knochen, weshalb mit den Händen gegessen wird und eine Portion länger dauert, als ihr Gewicht vermuten lässt.

Was heißt „chactado", und wie unterscheidet sich Cuy al horno?

Chactado beschreibt die Technik: flach gedrückt und unter einem Gewicht — traditionell einem Stein — in reichlich heißem Fett gebraten. Es ist die Zubereitung aus Arequipa, und das Gewicht ist der Grund für die rundherum gleichmäßig knusprige Haut. Cuy al horno kommt dagegen aus dem Ofen, häufiger im Raum Cusco und oft gefüllt. In Ecuador wird Cuy asado über Kohlen am Spieß gegrillt und dabei immer wieder eingestrichen. Die drei Gerichte schmecken deutlich unterschiedlich.

Funktioniert das Rezept mit Kaninchen?

Ja, und das ist hierzulande der praktikable Weg. Marinade aus Knoblauch, Kreuzkümmel und Ají-Paste, die dünne Maisgrieß-Panade, das Braten unter Gewicht und die Ají-Sauce lassen sich unverändert übernehmen. Man arbeitet mit einzelnen Teilen statt einem flach gedrückten Tier, braucht pro Stück etwas weniger Zeit und sollte die dickeren Keulenstücke zuerst in die Pfanne geben. Was fehlt, ist das Verhältnis: Kaninchen hat mehr Fleisch und weniger Haut.

Was gehört in Peru dazu?

Kartoffeln in irgendeiner Form sind gesetzt, meist goldbraun gebraten oder gekocht, dazu gekochter Mais mit großen Kernen und eine scharfe Ají-Sauce, oft auch Reis. Das geschmorte Gemüse dieses Rezepts ist die Hausmannskost-Variante der Beilage und keine feste Vorgabe. Serviert wird das Tier ganz oder halbiert auf dem Teller, nicht portioniert — und gegessen wird mit den Händen.

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